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Von der Remote-Bubble zum Messetrubel: Meine zwei Tage auf der OMR 2026

, 08.05.2026,

Und plötzlich ist Mai – und es war wieder soweit: Die OMR lockte Marketer, Kreatoren und Kreatorinnen sowie alle, die sich für die digitale Welt interessieren, nach Hamburg.

Schon im Zug wurde man auf das jährliche Klassentreffen der Branche eingestimmt. Da  hörte man z. B. die ersten Buzzword-Spezialisten darüber sprechen, die wie vielte OMR es inzwischen für sie ist, und dass sie eigentlich gar nicht da sein wollen – aber es ohne sie eben nicht geht. Und genau diese Gespräche gehören zum OMR-Feeling ja irgendwie auch dazu.

Iris auf der auf der OMR 2026Angekommen ging es direkt hinein in einen Vortrag von Isabelle Gardt, CMO und Geschäftsführerin der OMR, zum Thema Gleichberechtigung und Status quo. Mit Fakten zum bestehenden Gender Pay Gap, den nach wie vor erschreckenden Zahlen weit entfernt von 50/50 bei Frauenanteilen in Vorständen und dem Aufruf, sich zu vernetzen und gemeinsam laut zu sein, war ich direkt eingenordet und konnte in den Messetrubel starten.

Gender Equality 2026

KI stand – wie zu erwarten – überall drauf und war erneut eines der großen Fokusthemen der Messe. Die verschiedenen Sessions, Panels und Masterclasses boten wie jedes Jahr einen guten Mix rund um den Status quo der Online-Welt. Überhaupt schien das Thema „Wo stehen wir gerade?“ überall mitzuschwingen. Eingeladen war das Who’s who der Branche – und darüber hinaus. Ob es dafür eine Heidi Klum braucht, darüber lässt sich streiten, aber Vortragende müssen ja nicht auf meiner persönlichen Beliebtheitsskala ganz oben stehen.

Spannend und entsprechend gut besucht war auch der Talk von Philipp Klöckner über den Status von KI. Er zeigte einmal mehr auf, wie rasant die Entwicklung voranschreitet. Hatten Erfindungen früher noch eine längere Halbwertszeit und Zeit, sich zu amortisieren, ist heute quasi schon überholt, was gestern noch der „Hot Shit“ war. Und das, obwohl wir bei Nutzung und Marktdurchdringung eigentlich noch am Anfang stehen. Laut einer Bitkom-Umfrage nutzen bisher 58 Prozent der Deutschen KI-Anwendungen. Damit ist Deutschland sogar Vorreiter – wie ich zuvor bereits im Vortrag von Wendi Sturgis, EVP bei Yext, hören durfte. Gleichzeitig bezahlt aber nur ein Bruchteil der Nutzenden tatsächlich für KI-Anwendungen. Nach Angaben der Bank of America sind es zumindest in den USA gerade einmal drei Prozent. Es reden also alle darüber – aber bislang ist KI eben doch noch nicht überall angekommen.Vortrag von Wendi Sturgis auf der OMR 2026

Wir als Agentur beschäftigen uns natürlich schon länger mit KI. Gerade deshalb fand ich Klöckners Gedanken spannend, dass wir uns vielleicht weniger damit befassen sollten, wie KI-generierter Content gekennzeichnet werden kann, sondern vielmehr damit, wie sich wirklich menschliche Inhalte sichtbar machen lassen. Langfristig könnte das die einzig sinnvolle Strategie sein. Firmen wie Spotify würden diesen Ansatz mit der Verifizierung menschlicher Profile bereits verfolgen.

Aber auch abseits der Vorträge – von denen man bei so vielen Bühnen und Panels ohnehin nicht alle (gewünschten) miterleben kann  – gab es einiges zu entdecken und vor allem interaktiv zu erleben.

Die OMR 2026 von oben

Anders als auf klassischen Industriemessen zeigen Unternehmen auf der OMR immer wieder, wie kreativ Marken Leads generieren können. Canva lud zum Wunschbrunnen ein, bei Adobe wurde die eigene Gründermentalität mit einem Pass „ausgewiesen“ und besonders interaktiv ging es bei Porsche mit einem Autoscooter mitten in der Halle zu. Ebenfalls beliebt wie jedes Jahr: Glücksräder und die klassischen Greifautomaten, auf die es die Schatzjäger*innen unter den Messe-Spürnasen wegen des besten Merch abgesehen hatten.

Insgesamt wirkte die OMR dieses Jahr noch interaktiver als in den vergangenen Jahren. Auffällig viele Sportaktionen wurden an den Ständen angeboten und der Fokus lag dabei deutlich spürbar auf Health und Achtsamkeit. Selbst die Techniker Krankenkasse war als Aussteller besonders präsent vor Ort. Eine Armee von Massagesesseln auf der OMR 2026

Und dann waren da diese Massagesessel, aufgereiht wie eine kleine Armee,  die die Marketer zwischen Talks, Masterclasses, Networking-Sessions und kilometerlangen Messemärschen auf Wunsch einmal ordentlich durchkneteten. Es wirkte ein bisschen wie ein Fast-Food-Massage-Event – inklusive Warteschlange. Direkt daneben das Bestattungsunternehmen mit dem wohl besten Werbebanner der Messe: „100 % Conversion Rate“ – einschließlich Särgen zum Probeliegen, falls die Massage leider zu spät kam. Überaus skurril, aber definitiv etwas, das im Kopf bleibt.100 % Conversion Rate bei Lichtermeer Bestattungen

Abgerundet wurde der Gesundheitsfokus durch das vielfältige Essensangebot.Da gab es alles – außer das, was man typischerweise auf Messen bekommt. Das muss man den Organisatoren wirklich lassen: Sie schaffen es, neben der eigentlichen Business-Messe jedes Jahr auch eine Art Food-Festival zu kreieren und dabei aktuelle Ernährungstrends mitzunehmen.

Persönliche Highlights waren für mich der frühlingshafte und bunte Canva-Stand, der sehr reduzierte Auftritt von McDonald’s und die Idee von Pinterest, Postkarten zu verteilen, die direkt vor Ort geschrieben und anschließend in die reale Welt verschickt werden konnten. So hallt die OMR irgendwie noch nach. Für Akquise sicher ebenfalls ein netter Gag: dem Kunden direkt vom Stand aus eine Karte zum Nachfassen schicken. Offline-Marketing auf einer Online-Messe – lieb ich.McDonalds auf der OMR 2026

Was sich aber vermutlich nie ändern wird, sind die ach so „coolen“ Leute, die über alles meckern: über die OMR, die angeblich schlechte App (fand ich persönlich gar nicht), die „Masse an Ahnungslosen“ oder darüber, dass alles viel zu juniorig sei. Eigentlich haben sie gar keinen Bock, dort zu sein – und stehen dann doch wieder überall in der ersten Reihe und gehen als Letzte aus der Halle. Fast bekommt man das Gefühl, wer nicht meckert, war nicht dabei oder gehört eben nicht zu den wichtigen „Cool Kids“.

Für mich war es ein wertvoller Ausflug aus meiner Remote-Bubble. Ich konnte viele Menschen treffen, viel sehen, lesen, hören – und ja, auch etwas lernen. Insgesamt absolut lohnenswert also. Und was bleibt, sind mindestens die Postkarten, die ich meinen Kindern ganz ohne KI geschrieben habe, und auf deren Ankunft wir jetzt alle voller Vorfreude warten.

Danke, OMR!

Postkarten vom Stand auf der OMR 2026 verschicken



Über Iris Karge

Als studierte Geographin gestartet, hat Iris sich dann doch mehr in die Richtung der Unternehmenskommunikation weiterentwickelt. Sie hat Berliner Startup-Luft geschnuppert und ihr Interesse für B2B Tech-Themen entdeckt. Iris lebt und liebt das Leben kunterbunt und ist im Wasser in ihrem Element.


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