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Nie wird eine KI richtig, richtig gute Texte schreiben können!

, 21.08.2026,

Okay, sie schreibt über alle Textdisziplinen hinweg jetzt schon besser als 99,9 % der Menschen. Vermutlich sogar besser als 99 % derjenigen Menschen, die beruflich etwas mit Schreiben zu tun haben.
Aber diese kleine Spitze der Edelfedern wird eine KI nie erreichen.

Wie sollte sie? Sie wird ja gefüttert mit einer Riesenmenge an Dutzendtextware und mit einer Riesenmenge an basisdemokratischen Dutzendtextbeurteilungen. Etwas vereinfacht: Durchschnitt rein, Durchschnitt raus.

Und immer schön konservativ. Rekombinationen aus dem, was schon da war. Nichts von Menschen Geschriebenes ist ihr fremd. Hauptsache, es ist nicht bahnbrechend und gleichzeitig plausibel oder hübsch.

Wirkliche Kreativität? Hat sie nicht. Bezaubernde und wortwitzige Sprachbilder? Gehen nicht ohne Emotionalität. Perfekte Headlines? Brauchen jahrzehntelange Erfahrung gepaart mit seltenem Talent. Wortneuschöpfungen, die sich etablieren? Ausgeschlossen, Digga.

Die einzigen Großmeister der Sprache bleiben Menschen!

Apropos Großmeister: Als Jugendlicher war ich ambitionierter Schachspieler. Freilich kein Großmeister, aber immerhin Stadt-, Kreis- und Bezirksmeister. Meine Eltern schenkten mir damals einen Schachcomputer, der je nach Spielstufe entweder skandalös langsam oder skandalös schlecht spielte.

Ich war fest davon überzeugt, dass so eine Maschine womöglich irgendwann einmal besser spielen würde als ich – aber ausgeschlossen, dass sie je den menschlichen Weltmeister schlagen könnte.

Keine Kreativität. Kein Gefühl für Positionen. Keine jahrzehntelange Erfahrung. Rund zehn Jahre später hat das letzte Mal der menschliche Weltmeister (Kasparov) in einem Wettkampf den damals besten Computer (Deep Blue) besiegt. Seitdem = keine Chance mehr für die Menschen, völlig aussichtslos.

Die Schachmaschinen haben nicht etwa Kreativität und Stellungsgespür gelernt, sondern sie haben die Menschen überholt, ohne sie einzuholen: Sie können in jeder Stellung gleichzeitig Millionen kleiner Abhängigkeiten zwischen einzelnen Positionsmerkmalen berücksichtigen und daraus eine extrem präzise Stellungsbewertung ableiten. Gelernt in Milliarden von Partien, die die Rechner gegen sich selbst gespielt haben, plus menschlicher Programmierhilfe bei der Fokussierung.

Sagt uns das etwas zu KI und Sprache? Wahrscheinlich bekommen die Maschinen nie ein besseres Sprachgefühl als die besten Menschen. Vielleicht müssen sie es auch gar nicht. 

Vielleicht werden sie uns bei Texten genauso überholen wie beim Schach: Nicht, indem sie die menschlichen textlichen Fertigkeiten überflügeln, sondern indem sie etwas ganz anderes können als wir. Unzählige kontextuelle Zusammenhänge gleichzeitig gewichten. Sprachliche und sophistische Muster erkennen, für die uns die Begriffe fehlen. Varianten gegeneinander abwägen, die kein menschlicher Kopf in endlicher Zeit durchspielen kann.

Und dann stehen wir womöglich irgendwann vor einem Text, der origineller, präziser, stilreicher und wirkungsvoller ist als alles, was wir selbst oder Hölderlin je geschrieben haben könnten.

Schachmatt!

 



Über Jan

Eigentlich ist Jan Philosoph, aber er kommt so selten dazu. Denn es gibt so viele spannende Menschen und andere Dinge, die allermeist mit Technologie zu tun haben. Beim Texten, Beraten und Konzipieren zu Tech-Themen treffen sich die beiden Neigungen dann wieder.


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