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Snapchat für die Liveberichterstattung: Ein Experiment

, 20.10.2015,

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Wenn ich mit verschiedenen Menschen über Snapchat spreche, höre ich oftmals, dass mein Gegenüber das Social Network nicht verstanden hat. In der Regel sind die Funktionen, welche die App für mich spannend machen, gar nicht bekannt.

Für viele ist Snapchat der Dienst, auf dem sich die Jugend tummelt und sich gegenseitig Nackedei-Bildchen schickt. Dass aber ein Tool zum Storytelling dahinter steckt, wird vielen erst langsam klar.

Beste Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit stammen z.B. von Philipp Steuer zur OB-Wahl in Köln. Sein Ziel: Jungen Menschen zeigen, dass wählen nicht weh tut. Dafür hat der junge Kölner seinen Wahlgang dokumentiert und diesen für die junge Zielgruppe aufbereitet. Von dieser gab es auch Feedback, zum Beispiel in Form von Fragen rund um das Thema “Wahlen”.

Wer nicht weiß, wem er auf Snapchat folgen sollte, dem kann ich neben Philipp Steuer auch Richard Gutjahr empfehlen. Der Blogger schafft es immer wieder kreative Stories, zu den verschiedensten Themen zu produzieren. Bei beiden merkt man, was beim Experimentieren alles zustande kommen kann. Klare Follow-Empfehlung meinerseits.

Neben den Stories gibt es noch Snapchats “Discover”. Hier veröffentlichen Buzzfeed, Vice, CNN und noch ein paar andere Publisher jeden Tag professionell aufbereitete Inhalte. Deutsche Verleger sucht man bei diesem Angebot noch vergebens. Dennoch spielt zum Beispiel Bento, das Jugendmagazin von Spiegel Online, viel mit der App made in Los Angeles und probiert dabei verschiedene Einsatzszenarien aus, ohne in plumbe Werbung zu verfallen.

Mich interessiert vor allem, ob und wie sich die App für journalistische Zwecke einsetzen lassen könnte. Daher kam die Gegenveranstaltung zum Geburtstag von Pegida wie gerufen, um Snapchat als Tool für Liveberichte zu testen.

Herz statt Hetze - Aufruf

Ein Jahr Pegida in Dresden. Das kann nicht unbeantwortet bleiben. Unter dem Motto: “Herz statt Hetze” wurde zu Gegenprotesten aufgerufen. Ein Sternmarsch mit vier verschiedenen Start- und Endpunkten sollte tausende Menschen auf die Straße bringen.

Der Snapchat Livebericht

Mein Ziel war es herauszufinden, wie man das Thema “Snapchat Stories” auf ein nächstes Level heben könnte. Leider hatte Snapchat ein Problem damit, meine gesamte Story herunterzuladen. Daher musste ich alle Videos und Bilder einzeln exportieren und neu zusammensetzen. Das hat leider zur Folge, dass extra Infos wie z.B. die Uhrzeit in den Videos fehlen.

Lessons Learned

Schon vor dem gestrigen Tag habe ich viel mit Snapchat Stories herumprobiert, doch bei diesem Experiment stieß ich gefühlt an die Grenzen der App. Hier die entscheidenden Hürden:

1. Livebericht ist nur begrenzt möglich

Da aufgrund der Menschenmassen die einzelnen Funkzellen überlastet waren, brach das Mobilfunknetz immer wieder für längere Zeit zusammen. Telefonieren oder SMS war nicht möglich. Das Abrufen des Infotickers ebenso wenig. Daher wurden viele Snaps nicht in “Echtzeit” hochgeladen, sondern landeten mit einer erheblichen Verzögerung in meiner Story.

2. Der Akku des Smartphones hat seine Grenzen

Die App frisst gefühlt viel Akku. Ohne Akkupack kommt recht schnell der Punkt, an dem man nicht mehr in der Lage ist, weiterzuberichten. Die zusätzliche Akkubelastung wie Liveticker und Koordinierungstelefonate, sofern es das Mobilfunknetz zuließ, kamen natürlich noch dazu.

3. Die Android App hinkt der iOS App hinterher

Wie so oft sind die beiden Versionen nicht identisch von ihrem Feature-Umfang. In meinem Fall hätte ich gern auf Tricks, die mit der iPhone App möglich sind, zurückgegriffen. Zum Beispiel, um mehr Text auf Bildern zu platzieren. Die dafür veröffentlichten Workarounds sind mit Android leider nicht möglich.

4. Ton und Bild haben Luft nach oben

Selbstverständlich liegt das nicht nur an Snapchat. Je nach Gerätehersteller gibt es Qualtiätsabweichungen. Mit zusätzlichem Equipment, wie z.B. einem externen Mikro könnte zumindest die Tonqualität der Aufnahmen verbessert werden.

5. Die Sicherheit der Demoteilnehmer

Wer auf Demos fotografiert, sollte zum Schutz der Teilnehmer diese unkenntlich machen. Bei Snapchat erreicht man dabei schnell die Grenze des Machbaren. Wenn man auf jedem Bild die Gesichter unkenntlich macht, vergehen schnell mal mehrere Minuten, in denen man schon wieder etwas verpasst haben könnte. Arbeitet man mit Videos, ist das Ganze noch schwieriger. Dies betrifft natürlich vor allem politische Demonstrationen. Bei anderen Veranstaltungen ist dieser Punkt wohl nicht ganz so dramatisch.  

Wenn man wirklich live von einer derartigen Veranstaltung berichten möchte, ist Twitter immer noch das geeignetste Tool. Für einen Erlebnisbericht, bei dem es sich nicht um einen Echtzeit-Bericht handelt, ist Snapchat aber auf jeden Fall gut geeignet.

Alle Punkte basieren auf meinen Erfahrungen im Rahmen des Demogeschehens. Hätte ich eine andere Veranstaltung als Grundlage genommen, könnten diese selbstverständlich etwas anders aussehen.

Fazit

Neben den genannten Hürden, gab es auch positives Feedback. Als Zuschauer der Snapchat Story, fühlte man sich dem Geschehen näher als über den Twitterstream. Das ist auch ein Punkt an Snapchat der mich begeistert. Aufgrund der geringen Vorbereitungsmöglichkeiten, wirkt Snapchat sehr nahbar und lässt sich dadurch auch einfach produzieren.

Für die Unternehmenskommunikation ermöglicht sich damit ein authentischer Kanal, der nicht nur für Recruitingmaßnahmen relevant wird. Auch weitere Einsatzmöglichkeiten bieten sich hier an, wie zum Beispiel die Zusammenfassung einer Pressekonferenz oder Stories à la “Unserer Tag auf der CeBIT”.

Ich für meinen Teil behalte Snapchat weiterhin im Auge und freue mich auf euer Feedback und eure Erfahrungen zum Thema.


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Über den Autor

Chris ist Account Manager im Dresdner Büro. Während des Studiums sammelte er erste Erfahrungen im B2B-Bereich. Nach seinem Studium baute Chris diese in einem Dresdner Startup aus. Als Blogger schreibt er auf kleinstadtgedanken.de und kennt somit auch die andere Seite.


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