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4-Tages-Woche zu Ostern: Berlin lässt sich inspirieren


An den Ostertagen hatten die meisten Arbeitnehmer schon nach vier Tagen frei, was das Team der Thomas-Koschwitz-Show des Berliner Senders SpreeRadio zu der Frage geführt hat, was wäre, wenn – das immer so wäre.

Ruck-zuck haben wir uns einen Anruf zur 4-Tages-Woche eingehandelt. Demnächst könnt ihr uns übrigens auf dem TazLab (Thema: Wie wir arbeiten wollen, 17:45 Uhr, Hirschfeld Bar) treffen, wo wir mitdiskutieren dürfen und gucken, welche Ideen zum schöneren Arbeiten von anderen aufgetan wurden.

Das Osterinterview mit SpreeRadio zum Anhören:

Das Osterinterview mit SpreeRadio zum Lesen:

Thomas Koschwitz: Ich glaube, viele könnten sich daran gewöhnen, nur vier Tage zu arbeiten, dann drei Tage frei, dann vier Tage arbeiten. Es gibt Unternehmen, die haben das als Dauereinrichtung. Unter anderem die PR-Agentur Frische Fische, und Andrea Petzenhammer, Senior Account Director, ist jetzt in der Leitung.

Warum machen Sie das mit der 4-Tages-Woche? Statt 5 Tage?

Andrea Petzenhammer: Wir hatten, bzw. mein Chef hatte die Idee, als er den Tweet von einer schottischen Web-Agentur gelesen hat, die das selbst schon machen, dass wir das mal ausprobieren könnten. Er hat selbst drei Kinder und braucht viel Flexibilität, die er uns Mitarbeitern auch anbieten wollte.

 

Thomas Koschwitz: Und ist es so, dass man an den 4 Tagen mehr als acht Stunden arbeiten muss, um den fünften zu kompensieren?

Andrea Petzenhammer: Wir haben unterschiedliche Modelle, je nachdem, welche Ansprüche das Privatleben an uns stellt. Wer Kinder hat, kann nicht so viel arbeiten, wer andere Projekte nebenbei betreibt, möglicherweise auch nicht. Aber die, die 40 Stunden arbeiten, arbeiten tatsächlich von montags bis donnerstags zehn Stunden am Tag.

 

Thomas Koschwitz: Kann man denn eine 4-Tages-Woche überhaupt noch schätzen, wenn man sie immer hat?

Andrea Petzenhammer: Ja, klar, denn es hat einfach einen anderen Erholungsfaktor, ob man nun zwei oder drei Tage am Stück frei hat. Es verändert sich aber ein wenig der Umgang damit: Ich habe zum Beispiel an den freien Tagen am Anfang viel entspannt, inzwischen investiere ich die Zeit aber in private Projekte.

 

Thomas Koschwitz: Und wie lange praktizieren Sie das schon?

Andrea Petzenhammer: Drei Jahre.

 

Thomas Koschwitz: Und wie ist für die anderen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, wie gehen die mit dieser 4-Tages-Woche um?

Andrea Petzenhammer: Ich habe den Eindruck, dass es für die meisten schon ganz gut läuft, nicht nur, weil man dann so viel Zeit am Stück frei hat, sondern auch, weil man an langen Tagen eigentlich auch kaum noch Überstunden machen kann. Es ist allerdings so, dass man sich im Alltag ein bisschen organisieren und auch gegenüber Kunden kommunizieren muss, wann man erreichbar ist, und dafür müssen Lösungen gefunden werden. Zum Beispiel, dass eine Kollegin dann montags, und eine andere freitags frei hat.

 

Thomas Koschwitz: Und die Kunden nehmen das gelassen hin?

Andrea Petzenhammer: Ja, die haben da sogar positiv reagiert, ein Kunde hat überlegt, ob er die 4-Tages-Woche selbst einführt.

 

Thomas Koschwitz: Wäre das ein Modell für Deutschland?

Andrea Petzenhammer: Das ist natürlich die große Frage. Bei uns haben auch viele gezweifelt, ob es überhaupt geht. Wir haben jeden Tag zeitkritische Presseanfragen, Kunden, die nicht gerne warten, und in den sozialen Netzwerken müssen wir im Zweifelsfall noch schneller sein. Aber ich würde mal sagen, wenn wir das hinkriegen, dann schaffen das andere vielleicht auch.

 

Thomas Koschwitz: Und wenn Sie jetzt dank Arbeitsüberlastung und neuer Aufträge plötzlich den Satz „Jetzt müssen wir leider alles wieder zurück drehen, wir haben wieder die 5-Tages-Woche“ von Ihrem Chef hören würden – wäre das furchtbar?

Andrea Petzenhammer: Das würde mein Chef nicht sagen…

 

 

 

 



Über den Autor

Andrea studierte Medien und Informationswesen und arbeitete in verschiedenen PR-Agenturen unter anderem mit Immobilien- und Finanzfokus. Aus ihrer Selbständigkeit bringt Sie den Blick für Unternehmensentwicklung mit. Bei den Frischen Fischen konzentriert sie sich auf Online-Marketing-Themen.


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