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TOA? Gönn Dir!


Nerdige Themen in Entrepreneur-Kolorierung und heimelige Fusion-Stimmung: Das Tech Open Air 2019 überschreitet Grenzen im besten Sinne und erfüllt die Erwartungen der Aussteller.

Das Funkhaus liegt malerisch und historisch angehaucht direkt an der Spree. Der perfekte Hintergrund für die Szene, die auf dem Tech Open Air zusammenkommt: Entwickler, Transformer, Gründer und Mitarbeiter aus Start-ups sowie von Schwergewichten mit der Kragenweite von Google tauschen sich drei Tage lang aus. Die Topthemen 2019 sind schnell zusammengefasst: Entrepreneurship, Blockchain und Recruiting bestimmen die allermeisten Gespräche und Vortragstitel.

Hat frau als Besucherin das Gelände erfasst, wird auf den zweiten Blick das enorme Energielevel der Veranstaltung sichtbar: Wirtschaftliche, sozial- und überwachungskritische Themen wechseln sich ab mit Sessions rund um Blockchain, IoT und AI. Es wird so unbedarft genetzwerkt wie in XINGs besten Zeiten. Und: Ausgerechnet Daimler hat sich einen extrem großen Bereich gesichert, in dem vehement um Start-ups geworben wird, die die unternehmenseigenen Investmentkriterien erfüllen. Daimler sucht, wie so viele ehemals nicht wegzudenkende Marktdinosaurier, nach den technologisch heißesten Konzepten und den begabten Jungunternehmer*innen, die den Mobility-Markt in naher Zukunft ordentlich neu sortieren werden. (Hier ein interessanter Artikel zu den Alternativen, Vorzügen und Risiken von Corporate Start-ups, der die Thematik erweitert beleuchtet)

 

In Kürze – diese Gedanken sind mir hängen geblieben:

Unternehmertum: Gleichzeitig so leicht und so schwer wie nie zuvor

Technologische Konzepte wie AI, IoT und Blockchain revolutionieren ganze Branchen. Nicht nur auf der TOA wird gefordert, Coding und Softwareentwicklung endlich zum Schulfach zu machen. Wer die Technologien von morgen beherrscht, bringt schon einen guten Teil für das Unternehmertum der Zukunft mit. Ein Redner hat potenziellen Gründern direkt empfohlen, mit der IoT-Brille nach ineffizienten Prozessen in der analogen Welt zu suchen. An unendlich vielen Stellen könnten Produkte und Gegenstände mit Software aufgerüstet und zum Akteur im Internet gemacht werden. So lasse sich fast jede Branche, jedes Nutzerverhalten und jede Menge Produkte neu denken. Die Möglichkeiten werden quasi nur durch das (nicht mehr so niedrigschwellig erhältliche) Risikokapital begrenzt. Das ist dann auch gleich die Kehrseite der Medaille: Die auf den Bühnen vertretenen potenziellen Investoren machten immer wieder deutlich, wie groß die Konkurrenz und wie hoch das Pitch-Niveau der aktuell aufstrebenden Start-ups geworden ist. Das entstehende Biotop hat, wenn man den Gerüchten glauben darf, nicht nur Berlin wirtschaftlich gepusht. Auch Städte wie Essen setzen immer mehr auf junges Unternehmertum.

 

 

Grenzen sind kein Konzept, das in die Welt der Generationen Z, Y und X passt

Dieser Lernsatz gilt für Geld genau wie für Sprache oder Abteilungen, und die Auswirkungen betreffen mehr als nur die bis vor zwanzig Jahren noch recht sicher im Sattel sitzenden Banken, aber die doch extrem. Arbeitnehmer unter 40 haben nicht nur überall auf der Welt Bekannte und sind reiselustig, sie arbeiten auch rund um den ganzen Globus. Das absichernde Verhalten von Geldinstituten a la Sparkasse will da nicht mehr so recht passen, weshalb Angebote für international unkomplizierten Geldtransfer oder Geldabhebungen, etwa von TransferWire oder n26, zunehmend hoch fliegen.

New Work: Das Dänische Modell kommt zunehmend in Deutschland an

Wer kein Vertrauen schenkt, produziert Zynismus unter den Mitarbeitern, quasi als Default-Reaktion. Ob dies, wie auf der Forrest Stage nun ‚4th Industrial Revolution‘, oder, wie von Buchhaltungsvereinfacher Pleo, das ‚Dänische Modell‘ genannt wird, ist dann eigentlich auch schon egal. Die Basis ist immer, dass der Arbeitgeber dem Mitarbeiter immer erst einmal einen Vertrauensvorschuss gibt und Wege findet, um möglichst viel Unabhängigkeit in Entscheidungen und alltäglichen Tätigkeiten zu ermöglichen.

 

Die Innovation-Stage hält, was der Name verspricht

Zahlreiche Aussteller stellten ihre Projekte und Produkte auf der Innovation-Stage vor. Die Inhalte drifteten nur ganz selten in reine Verkaufsveranstaltungen ab, vielmehr wurden Herzensprojekte der Aussteller transparent, wie etwa der konzeptionelle Aufschlag der Digitalagentur Turbine Kreuzberg zur digitalen Gesundheitsakte auf Blockchain-Basis. CEO Daniel Nill stellte klar, dass ein singulärer Speicherplatz der hochsensiblen Daten von Patienten schlicht nicht mehr State of die Art ist. Die Lösung müsse zwar nicht über Blockchain kommen, die Technologie sei aber ein guter Ausgangspunkt für die Diskussion. Darüber sei dezentrale Speicherung und Rechteverteilung an Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen möglich, der Patient kann aber die Hoheit über die Daten behalten.

 

Sprache limitiert – und pusht

Wer in der Berliner Digital- und Onlinemarketing-Szene verkehrt, hat registriert, dass die Teams immer internationaler werden und oft sogar die Kommunikationsverantwortlichen für den deutschen Markt der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Kaum verwunderlich also, dass Anbieter wie chatterbug auf der TOA förmlich überrannt worden sind. Das Digital-Sprachlern-Angebot ergänzt die bekannten E-Learning-Module durch 1:1-Unterricht mit Lehrern, der konzeptionelle Ansatz wurde von Sprachpädagogen mitentwickelt.

Das Thema erhielt im überfüllten Studio 2 dann auch im Vortrag von Markus Witte von Babbel die gebührende Aufmerksamkeit. Sprache macht die Welt erlebbar und prägt sogar, was wir wahrnehmen, etwa, welche Farbe der Himmel hat.

 

Personen, Organisationen und Unternehmen, die vor dem Hintergrund meiner Eindrücke vor Ort einen näheren Blick lohnen:

Hm, ja. Bei allem, was an der TOA super war, die Kommunikation der Veranstalter war es leider nur so halb. Das Programm wurde nicht nur sehr kurzfristig vorab veröffentlicht, sondern leider auch direkt nach Veranstaltungsende wieder offline genommen. Nächstes Jahr gibt es an dieser Stelle dann eine Empfehlungsliste!

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Aber wie immer, wenn man sich gerade so richtig beschweren will, haben die Kolleginnen Tipps parat und mich liebevoll an das gedruckte Programm in meiner Tasche erinnert. Nun gut, TIPPE ICH DAS HALT AB:

 

–       Erika Cheung, Theranos Whistleblowerin -> Ethikfragen im Unternehmertum

–       Markus Witte, Babbel -> Online-Sprachenlern-Angebot

–       Chatterbug -> Online-Sprachlern-Angebot mit 1:1-Mentoring

–       Alicia Zagury, TheFamily ->Start-ups

–       Connor Murphy, Techstars

–       Roxanne Varza, Station F

–       Yoram Wijngaarde, Dealroom.co

–       Evan Cummack, Twilio -> IoT & Transformation & Kommunikation

–       Lindsay Gorman, Alliance for Securing Democracy -> Digitale Überwachung, weltweit

–       Taavet Hinrikus, Transfer Wise  -> internationale Geldtransfers

–       Daniel Nill, Turbine Kreuzberg -> Digitalagentur mit Transformationsexpertise

–       Fiverr -> Freelance-Vermittlung

–        Pleo -> automatisiert Abrechnung und Buchhaltung

–       Nous -> Virtual Reality Lösungen

 

Viel Spaß beim Nachlesen und Stöbern!

 



Über den Autor

Andrea studierte Medien und Informationswesen und arbeitete in verschiedenen PR-Agenturen unter anderem mit Immobilien- und Finanzfokus. Aus ihrer Selbständigkeit bringt Sie den Blick für Unternehmensentwicklung mit. Bei den Frischen Fischen konzentriert sie sich auf Online-Marketing-Themen.


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