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Weihnachten mit den Fischen: Allüberall auf den Tannenspitzen, sah ich goldene Lichtlein – blinken??

, 29.12.2011,

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In unserem Hause hat sich an Heiligabend seit einigen Jahren folgende schöne Weihnachtszeremonie zur Tradition entwickelt: Eingeleitet wird mit genüsslichem und überreichlichem Verzehr einer Bio-Flugente an selbstgeformten Semmelknödeln und Rotkraut sowie Salat mit Walnuss- und Granatapfelkernen. Erleichterung wird darnach zuerst in Form eines Verdauungsschnäpschens, dann in einem Espresso gesucht, aber erst mit dem obligatorischen Weihnachtsspaziergang gefunden.

Auf diesem schönen langen Spaziergang begutachten wir die weihnachtlichen Lichtdekorationen der umliegenden Anlieger und küren schließlich unter Berücksichtigung aller uns bekannten Aspekte von Ästhetik und Besinnlichkeit die Scheußlichste aller Kreationen unter ihnen. Der Entdecker des schlimmsten Oeuvres bekommt später als Erster seinen Nachtisch – ein Lohn, der nach vorangegangener Völlerei eine völlig ehrgeizbefreite und angenehm unaufgeregte Spielermentalität bei allen Teilnehmern hervorruft.

Nur wenige Jahre ist es her, dass sich abseilende Weihnachtsmänner das Highlight jedes Berliner Balkons zur Adventszeit bildeten. Himmlische Heerscharen von Weihnachtsmännern aller Größen hingen einer neben dem anderen an den Fassaden – dabei gibt es doch nur einen Einzigen!!! Bis zuletzt blieb auch ungeklärt, warum Santa Claus es ausgerechnet in diesem Jahr nötig gehabt haben soll, zum Balkon hinein- oder hinaus zu klettern – wartet doch seit Jahrhunderten der Rentierschlitten auf dem Dach, gleich neben dem Schornstein, durch den der dicke Mann ausm Osten die Geschenke in die gute Stube beschert.

Letztes Jahr hingegen führte die Farbe Blau die Hitliste leuchtender Geschmacklosigkeiten an. Möglicherweise lag es am ungewöhnlichen, früh und anhaltend einsetzenden Schneefall, dass die Menschen einem Überhandnehmen an Idylle vorsorglich mit Lichterketten begegneten, die den Charme eines gekachelten Wohnzimmers versprühen. Anstatt das güldene Lichtlein all überall auf den Tannenspitzen blitzen, verbreiten blaue Lichtlein den Hauch steriler Kälte in den Fenstern, bei blinkenden Kompositionen teils auch mit Anleihen aus der Clubszene.



Wie alle Jahre wieder war ich gespannt wie ein kleines Kind, was uns dieses Jahr erwarten würde. Unser Spaziergang nun war aber geprägt von fast gänzlicher Absenz weihnachtlicher Beleuchtung der Berliner Privathaushalte. Woran lag es? Am Ende der Glühbirne? Am milden Herbst ohne Schnee und Eis? An der ungebrochenen Kauflust der Berliner, die ihre Adventswochenenden lieber im Center als beim Schmücken der Fenster verbrachten? Brachte gar Orkan “Joachim” massenhafte Überspannungsschäden zur Adventszeit? Was ist da los?

Vielleicht urlaube ich nächstes Jahr zur Weihnachtszeit mal in den Staaten – auf die Licht-Lust der Amerikaner jedenfalls ist immer Verlass!

 

 

 


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Über den Autor

Marietta surfte lange auf den Wellen der Kommunikation als Beraterin bei BBDO und Plantage. Dann tauchte sie in die Public Relations ein und wurde bei SugarCRM für die turbulenten Drifts im World Wide Web begeistert. Nach Absolvierung ihres Freischwimmers an der Humboldt Universität jagt sie nun bei den Berliner Fischen nach frischen Storys.


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