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8 Tipps für eine gelungene Pressetour


Pressetouren waren noch vor 10 Jahren ein ganzes zentrales Element der Pressearbeit. Redakteure hatten einigermaßen Zeit zum Spinnen des eigenen Expertennetzwerks und Firmensprecher hatten weniger Blätter vor dem Mund. Auch wenn die Frequenz deutlich nachgelassen hat, so zähle ich Pressetouren immer noch zu den effizientesten Werkzeugen, um eine Story in die Redaktionen zu tragen – das gilt sogar auch für reine Digitalunternehmen.

Allerdings bin ich heute sehr viel selektiver in meinen Empfehlungen für eine Pressetour, damit sich die Zeit für den Redakteur, den Unternehmensvertreter und mich auch wirklich lohnt.

 

1. Cui bono?

Unternehmenslenker und Marketingbudgetverantwortliche hegen mitunter die Selbstwahrnehmung, dass Redakteure nur darauf warten, genau über ihr Unternehmen berichten zu wollen. Manchmal schon, meistens nicht. Redakteure müssen für ihre Leser Internet- und Druckseiten füllen und haben dafür nur endlich Zeit. Entsprechend muss eine dem Besuch entspringende Veröffentlichung im Bereich des sehr Wahrscheinlichen liegen. Und dass kann ich als Agenturvertreter meist besser einschätzen als das Unternehmen oder der Redakteur, da ich beide Seiten gut kenne.

 2. Where is the beef?

Ich achte tunlichst darauf, dass ich bei einem Redaktionsbesuch eine wirklich gute neue Mär im Gepäck habe. Denn Nachrichten und Neuigkeiten sind das Geschäft der allermeisten Publizisten. Mein Job ist es, dem professionellen Schreiber relevante Informationen in für ihn und seine Leser gut verdaulicher Form zu servieren. Und wenn sich dafür ein persönliches Gespräch im Rahmen einer Pressetour am besten eignet, sehr gern!

 3. You´ll never walk alone 

Natürlich gehen wir niemals allein, sondern stets mit einem Vertreter des Unternehmens, dessen Neuheiten wir in die Redaktionen tragen wollen. Dabei bevorzugen wir in der Regel ganz eindeutig den Typus „Günther Jauch“ – guter Zuhörer, kompetent und eloquent – vor dem Typus „Daniela Katzenberger“ – na ihr wisst schon, grelle Verpackung und Marketingsprüche halt. Mit einem Wo-Marketing-draufsteht-ist-auch-nur-Marketing-drin-Unternehmensvertreter tun wir dem Redakteur und uns keinen Gefallen. Entsprechend gilt es bei der Auswahl des geeigneten Sprechers dem Auftraggeber gegenüber standhaft zu sein, so knifflig das auch sein kann.

 4. Vertrauen zahlt sich aus

Redakteure schätzen Informationsvorsprung. Deshalb besuche ich Redaktionen beispielsweise gerne mit einer Produktneuheit, die erst in ein paar Tagen in großem Stile an Kunden, Partner und den „großen Presseverteiler“ herausgegeben wird. Auf formale und schriftliche NDAs – formerly known as Geheimhaltungsvertrag  – verzichte ich dabei. Ich mach´s wie in der Kindererziehung und setze Vertrauen gegen Vertrauen. Alle relevanten Texte und Bilder schicke ich schon am Abend vor dem Gesprächstermin per Mail – ausgedruckte Pressemeldungen in  Hochglanzpressemappen haben sich überlebt.

5. Zu dir oder zu mir?

Redakteure haben wenig Zeit und diese wollen sie am liebsten effizient genutzt an ihrem Schreibtisch verbringen. Deshalb schlage ich stets als bevorzugten Treffpunkt das Büro des Redakteurs vor. Damit zeige ich auch, dass mein Kunde und ich für ein Treffen gerne die Mühsal der Anreise auf uns nehmen.

6. Pünktlichkeit ist Trumpf

Insbesondere für den Fall, dass man mehrere Pressetermine an einem Tag absolvieren will, ist reichlich Organisationstalent vonnöten. In jedem Fall muss die Maxime bei der Planung sein, dass zwischen den einzelnen Terminen genügend Zeit für einen länger als erwartet dauerndes Interview oder einen kleinen Stau eingeplant ist. Für den Fall, dass ich dennoch einmal zu spät dran bin, habe ich die Handynummer des Redakteurs parat und informiere ihn frühzeitig über unsere Verspätung.

7. Darf´s auch ein Redakteur mehr sein?

Ja, natürlich. Zum Glück gibt es noch Verlagshäuser mit mehr als einer Publikation. Und nicht selten sind unsere Themen für mehrere Redakteure aus unterschiedlichen Publikationen relevant: z.B. für die Technik-Freaks, die Handelsmedien, den Business-Aspekt. In diesem Fall mache ich den Termin mit dem wichtigsten Redakteur fest und biete den anderen in Absprache an, dass sie gerne dazukommen können.

8. Was hat´s gebracht?

Natürlich werden die Agentur-Kunden nach den Ergebnissen einer Redaktionstour fragen. Schließlich haben sie Zeit und Geld in das Unterfangen investiert. Wenn wir unsere Hausaufgaben gemacht haben und bei unserem Gesprächstermin hinreichend relevante Neuigkeiten und Infos im Gepäck hatten, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Redakteur etwas dazu veröffentlicht. Darüber hinaus bleibt das Wissen, dass wir auf unser Soziales Kapital eingezahlt haben – und sich der Redakteur bei nächster Gelegenheit, wenn er zu einem Thema recherchiert, zu dem unser Kunde etwas zu sagen hat, sich an ihn oder uns erinnert und zum Hörer greift.



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