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Braucht der Medientreffpunkt Mitteldeutschland ein deutlicheres Profil?

, 09.05.2011,

Vom 02. bis zum 04. Mai fand in Leipzig der Medientreffpunkt Mitteldeutschland statt. Meiner Meinung nach eine enorm wichtige Veranstaltung. Jedenfalls für das mediale Dreiländereck Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Leider aber nicht wirklich darüber hinaus. Das müssen die Initiatoren für die Zukunft klären, um ein klareres Profil zu schaffen: Setzt man mehr auf die regionale Wirkung als Instrument zur Information und Vernetzung oder sollen Maßstäbe gesetzt werden, die auch eine relevante Außenwirkung erzielen. Denn beides unter einen Hut zu bekommen, klappt in meinen Augen nicht wirklich. Man schafft es derzeit nicht, das Produkt „Medientreffpunkt“ in zwei Sätze zu packen, wenn jemand fragt, was denn das sei und an wen es sich richte. Bezeichnend dafür findet man auf der Startseite statt eines aussagekräftigen Claims ein Grußwort der thüringischen Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht. Der klassisch öffentlich-rechtlicher Ansatz?

Ein regionaler Fokus müsste praxisorientierter und somit attraktiver für regionale Vertreter aus Marketing und Politik sowie Studenten aus der Region werden. Wahrscheinlich nicht die ursprüngliche Philosophie, aber durchaus dringend nachgefragt, wie wir auch beim Agenturtreffen Mitteldeutschland feststellen können. Der Medientreffpunkt könnte sich also wandeln zum großen Treffen der Kreativwirtschaft Mitteldeutschlands. Ansatzweise liefen Themen ja bereits darauf hinaus. Westlich von Eisenach würde das aber niemanden mehr interessieren.

Um wirklich außerhalb der (künstlich geschaffenen) Region Mitteldeutschland wahrgenommen zu werden, braucht es mehr Premieren, mehr Power, mehr Innovationen, mehr Internationalität. Brücken vor allem nach Osteuropa, schließlich verkaufen wir Ostdeutschen gerne als das Tor ins selbige. Die ungarische Medienpolitik und die damit verbundenen Risiken für Europa wären dann ein besserer Aufhänger gewesen als die Diskussion um die „Gratiskultur“ im Netz. Denn das ist nur mehrfach durchgekauter Themenimport! Niemand konnte damit rechnen, dass ausgerechnet beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland neue Kernthesen dazu aufgestellt würden. Mehr Gäste aus Tschechien, Polen oder Ungarn würden dem Event dann gut zu Gesicht stehen und sicher auch wieder Gäste aus anderen Teilen Europas anziehen.

Ein weiterer Aspekt, den es in meinen Augen zu überdenken gilt, ist die Dauer der Veranstaltung. Drei Kalender-Tage sind verdammt viel und psychologisch nicht gerade hilfreich bei der Entscheidung, ob man kommt und wenn ja wann. Wer wie ich in der Regel nur einen Tag vor Ort sein kann, wird immer mit dem Gefühl leben, gute Panels zu verpassen, selbst wenn man sich zwei Tage Zeit nehmen würde. So hab ich auch dieses Jahr zwei gute Panels (Medien-Apps, Tiefenwirkung der Onlinewerbung) erlebt, aber eben auch ein bis zwei spannende Panels oder Workshops an den anderen Tagen verpasst! Auch hier würde ein klareres Profil sicherlich helfen.

Ansonsten bleibt es dabei, dass es vor allem darum geht, im wirklich dafür perfekt geeigneten Lichthof der Media City alte und neue Bekannte zu treffen. Bei einer Umfrage zum Treffen wurde ich zunächst gefragt, wie wichtig mir die beiden Partys seien. An denen hab ich noch nie teilgenommen. Sie scheinen aber ein zentrales Element zu sein.

Regionaler Treffpunkt oder nationaler Medien-Kongress: Was genau will der Medientreffpunkt Mitteldeutschland sein? Und was sollte er Eurer Meinung nach sein?



Über den Autor

Sebastian ist Creative Director und kommt ursprünglich aus der Musikbranche, wo er sich sehr früh der Arbeit mit social networks gewidmet hat. Bevor er zu den Frischen Fischen stieß, hat der studierte Betriebswirt fünf Jahre für die Mobile Marketing Agentur Goyya Kampagnen konzipiert und betreut.


1 Kommentar



  • Eric

    Gut analysiert, Sebastian! Befreundete Journalisten haben die Veranstaltung ebenfalls als “altbacken” (Stichwort “Gratiskultur”) und deshalb auch als eher provinziell empfunden. Eventuell sollte der Medientreffpunkt tatsächlich schwerpunktmässig regionale Themen bedienen oder den vorgeschlagenen Osteuropa-Fokus hervorheben.

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