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Digital Natives lesen analog: Fehlt der Hipster-Reader oder ist das Buch unsterblich?

, 06.10.2014,

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Neulich in der Buchhandlung. Ich suche ein Geschenk für meinen Ältesten zum 12. Geburtstag. Er ist keine Leseratte, aber immerhin: Er liest. Fantasy-Romane, Jugend-Thriller, ein bisschen Science Fiction und alles über Fußball. Wie alle Eltern, die als Kind noch nicht mal einen Amiga 500 besaßen…

…füttern wir ihn mit Büchern, so gut es nur geht. Denn eigentlich verbringt er seine Freizeit außerhalb des Fußballplatzes am liebsten mit Daddeln (Smartphone, Computer, Playstation) und Youtube-Filmchen übers Daddeln.

Beim Verlassen der Thalia-Filiale stolpere ich beinah über den obligatorischen Promotion-Stand zum hauseigenen eBook-Reader Tolino und frage mich: Wieso bin ich noch nie auf die Idee gekommen, meinem Junior einen eBook-Reader zu schenken. Er liebt Technik. Er liest gerne. Würde er vielleicht noch mehr lesen, wenn er es auf einem Display tun könnte? Es liegt so nah! Aber offenbar sind Jugendliche keine Zielgruppe für eBook-Reader. Die Werbung richtet sich bei allen Herstellern, die ich im Schnell-Check besuche, ausschließlich an LeserInnen über 30. Bequem im Designer-Sessel lümmelnde Frauen und Business-Typen im Cafe sind die typischen Eyecatcher. Beworben wird ein „Multimedia-Erlebnis für Leser, die mehr vom Leben wollen“ (kobo). Ein Werbeversprechen, das zumindest meinem Sohn ungefähr so stark tangiert wie die neuesten Trends aus der Meißner Porzellan-Manufaktur.

Marktlücke oder kein Bedarf?

Tatsächlich: Eine Studie besagt, dass 50% der eReader-Nutzer/innen über 45 Jahre alt sind, nur 17% sind unter 25. Die entscheidende Frage für mich als Marketer ist jetzt natürlich: Klafft da eine Marktlücke für ein Hipster-Device oder wollen die Digital Natives tatsächlich analog lesen? Und zwar nicht nur im Bett sondern auch unterwegs? Immerhin 10 Millionen Schüler, Studenten und Auszubildende fahren in Deutschland täglich Bus und Bahn. Alleine das wäre ja ein hochinteressanter Markt für „leichte Lektüre“ (Eltern wissen, wie hammerschwer Schulranzen heute sind). Außerdem bieten eBooks viele multimediale Optionen (die interaktive Playlist zum Buch bei Spotify, das Teilen von Zitaten auf Facebook, Hashtags über die man Fotos bei Instagram hochladen kann, die das beim Lesen empfundene Gefühlen veranschaulichen*).

Es ist ja so, dass mein Nachwuchs für Werbung so empfänglich ist, dass jedem Werber vor Glück eine Gänsehaut wächst. (Das teure Haargel ist einfach besser! Warum? Wegen der Verpackung…). Also mache ich die Probe auf´s Exempel und frage ihn selbst (nach dem Geburtstag). Und die Antwort lautete tatsächlich: „Ich hab das mal bei Omi probiert. Lesen macht irgendwie mit Büchern mehr Spaß.“ Na so was.

Was denkt ihr? Wie sieht die Zukunft des Lesens von Jugendlichen aus? Wollen die wirklich Papierschinken mit sich rumschleppen oder hat ihnen bisher bloß niemand ein cooles Gerät gebaut? Und…

*PS: Gab es eigentlich schon erfolgreiche Instagram-Kampagnen von Verlagen?


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Über den Autor

Sebastian ist Creative Director und kommt ursprünglich aus der Musikbranche, wo er sich sehr früh der Arbeit mit social networks gewidmet hat. Bevor er zu den Frischen Fischen stieß, hat der studierte Betriebswirt fünf Jahre für die Mobile Marketing Agentur Goyya Kampagnen konzipiert und betreut.


1 Kommentar


  • Tablets & EBooks sind eine tolle Sache um die Jugend empänglicher für Literatur zu machen. Das das geschriebene Wort immer noch mehr wert zu seien scheint ist beruhigend aber auf der anderen Seite auch verwunderlich, denn alle Informationeen über Aktien oder Neuigkeiten lassen sich einfach über das Internet finden. Ein entscheidener Punkt bei Zeitungen ist immer noch der lokale Bezug den wird es in dieser Form bei Internetzeitungen wohl nicht so schnell in dieser Größe geben, zumindest in kleineren Städten. Das gute alte Buch wird wohl auch noch in Zukunft faszinieren..

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