Wir bloggen über alles, was uns bewegt. Von Fußnoten bis Fußball, von Kant bis Rant.


Pop Up Magazin #8 – Trendradar Shopsysteme: Fiskalisierung, Datenanalyse, Headless Systems sowie die Cloud treiben Entwicklungen 2020


Von individuellen Plattform-Lösungen über Inhouse-Datenanalyse, Automatisierung und Headless Systems bis hin zum Umzug in die Cloud: Shopbetreiber müssen sich 2020 in vielerlei Hinsicht neu aufstellen. Einen detaillierten Blick auf die Veränderungen und Trendthemen 2020 im E-Commerce wirft Roland Fesenmayr, CEO bei der OXID eSales GmbH.

Das Schöne am Agenturleben ist, stets auf dem neuesten Stand zu sein. Und Sharing is Caring – also teilen wir ab jetzt täglich unser Wissen und eröffnen für zwei Wochen ein Pop Up Magazin für die Tech-Trends 2020.

####

Internationale Konkurrenz, Rezession und Fiskalisierung sind die Herausforderungen 2020

Dem stationären Handel und der E-Commerce-Branche stehen Herausforderungen bevor. 2020 wird die Fiskalisierung für Einzelhändler das, was die DSGVO 2018 für datenverarbeitenden Unternehmen war. Im Zuge der Fiskalisierung müssen Registrierkassen ab 1. Januar 2020 mit einer Technischen Sicherungseinrichtung (TSE) ausgerüstet sein, damit sie vor nachträglichen Manipulationen geschützt sind – jede Transaktion muss dann digital erfasst werden. Für Einzelhändler eine enorme Herausforderung, je mehr Filialen und Kassen eingebunden werden müssen, desto komplexer wird das Projekt. Zudem befürchten Händler den Beginn einer Rezession und versuchen durch spezifische Angebote und Serviceleistungen ihre Marktposition zu stabilisieren. Durch die EU-Geoblocking-Verordnung drängen außerdem internationale E-Commerce-Anbieter verstärkt auf den europäischen Markt. Deutsche Hersteller und Händler nutzen die neue Verordnung, um ihrerseits niedrigschwellig in internationale Märkte zu expandieren. Gerade der Mittelstand wird zuverlässige Plattformen mit dedizierten Technologien für die Internationalisierung brauchen, um im Cross Border Trade erfolgreich zu sein und dem wachsenden Wettbewerb der GAFA entgegenzutreten.

Hoher Grad an Spezialisierung erfordert individuelle Plattform-Lösungen

One size fits all ist längst vorbei. Viele Unternehmen müssen mehr als je zuvor ihre Nische finden, um weiterhin erfolgreich zu sein. Außergewöhnliche Geschäftsmodelle und ein hoher Grad an Spezialisierung brauchen maßgeschneiderte IT, Prozesse, Schnittstellen und technische Integrationen. Das zeigt sich vor allem im E-Commerce, denn der Wandel vom Shop hin zur smarten Plattform vollzieht sich rasend. Der klassische Online-Shop verliert an Relevanz, im Fokus der Weiterentwicklung steht die stark in die digitale Transformation eingebettete Plattform. Ganz gleich, ob es sich um ein ERP-System für einen bestimmten Nischenmarkt oder um neue Marktplätze für Branchensegmente handelt: Die Anforderungen an individuelle Lösungen für E-Commerce-Plattformen steigen. Eine Herausforderung für Hersteller, die ihre Lösungen dem neuen Bedarf anpassen und flexibler als je zuvor gestalten müssen.

Technologische Innovationen lenken Fokus auf Inhouse-Datenanalyse

Der Mittelstand kann 2020 nicht länger die Augen vor technologischen Innovationen, allen voran Automatisierung und Künstliche Intelligenz, verschließen. Zentrales Element der Transformation ist der Umgang mit erhobenen Daten. Im produzierenden Gewerbe nutzen derzeit nicht einmal ein Prozent das Potenzial vorhandener Daten. Unternehmen müssen langfristig ihr Mindset ändern und die Relevanz der Daten anerkennen. Bereits die Besetzung eines Chief Data Officers kann in kleinen und mittleren Unternehmen den Wendepunkt bedeuten. Die Datengewinnung, -verarbeitung, -anreicherung und -analyse bricht vorhandene Silos auf und bildet die Basis, um strategische Entscheidungen abzuleiten, die auf die ganzheitliche Zukunftsvision einzahlen. Ein fundiertes Verständnis und eine klare Datenbasis öffnen anschließend die Türen für KI und Co., und ermöglichen echte Use Cases und eine sinnvolle Transformation. Unternehmen mit wenig Personalressourcen können dafür auf branchenspezifische Lösungen zurückgreifen, die weniger interne Entwicklerleistung benötigen. Shopentwickler müssen für diese Zielgruppe Lösungen entwickeln, mit denen neue Technologien schnell zu implementieren sind, die wenig Individualisierungsaufwand benötigen und einen schnellen Marktstart gewährleisten.

Headless-Systeme dominieren den technischen Diskurs

Bei Technologiebegeisterten und Entwicklern bestimmen Headless-Systeme die Branchendiskussion im kommenden Jahr. Shopsystem-Hersteller werden eilig versuchen, die Lücke zu schließen und das Konzept der Headless-Architektur zu adaptieren. Innerhalb der Architektur wird das Frontend vom Backend getrennt, die Kommunikation erfolgt über eine teil- oder vollstandardisierte API-Schnittstelle. Ein wichtiger Player ist GraphQL, das System liefert einen erheblichen Mehrwert bei Headless-Problemstellungen im täglichen und schnelllebigen E-Commerce.

Handelsfirmen werden zu Technologieunternehmen – oder gehen in die Cloud

Die Kunden scheren sich nicht um die Technologie hinter einem Shop, solange sie funktioniert. Gibt es Ausfälle, droht Händlern die Abstrafung durch die Kunden: Hohe Absprungraten, schlechte Conversion. Bereits heute fließen in Handelsunternehmen viel zu viele Stunden in Technologie-Fixes und Workarounds. Das kann nicht gut gehen – denn sie bewegen sich in einem wettbewerbsintensiven Umfeld, welches immer weiter Fahrt aufnimmt. Wer seinen Shop in die Cloud migriert, spart Ressourcen, die effektiver in Betrieb, Content, Look & Feel, Bildwelten und Usability des Shops investiert werden können. Um die hohen technologischen Standards, die Nutzer inzwischen erwarten, sowie notwendige interne Ressourcen verfügbar zu haben, müssten Handelsunternehmen deshalb eigentlich zu Technologieunternehmen werden – außer, sie machen ihre Produkte und Leistungen via PaaS-Angebote in der Cloud verfügbar. Externes Fachwissen des Cloud-Providers unterstützt dann im besten Fall die Skalierungseffekte, auf die E-Commerce-Unternehmen bei der Erschließung erfolgreicher neuer Business-Felder setzen.

Neue Nachhaltigkeit zwingt Shopbetreiber zum Umdenken

Der Klimaschutz bestimmt für die Mehrheit in Deutschland die politische und gesellschaftliche Agenda. Im E-Commerce, einer Branche, die den Konsum wie kaum eine andere antreibt, sind nachhaltige und ökologische Konzepte gefragter denn je. Shoptbetreiber müssen sich damit auseinandersetzen, wie Produkte umweltfreundlich gestaltet, verpackt, transportiert und vor allem nachhaltig transformiert werden können. 2020 steht ganz im Zeichen von innovativen Konzepten, die aktiv zum Umweltschutz beitragen. Themen wie nachhaltige Logistik und ressourcenschonende Produktion werden die Branche massiv beschäftigen. Erste smarte Konzepte und Best Cases werden zeigen, wie der digitale Handel nachhaltig verändert werden kann.



Über den Autor



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.