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Recruiting: Das Social Web braucht keine Konzepter sondern Controller

, 09.01.2012,

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In der ersten Woche dieses Jahres habe ich schon genauso viele Anfragen von Headhuntern erhalten wie im ganzen ersten Halbjahr 2011 – das nennt man wohl ein deutliches Anzeichen für einen Boom.

Leider muss ich Euch, liebe Personaler, doppelt enttäuschen.

1. Ich bin nicht zu haben. Ich fühl mich hier wohl wie ein Fisch im Wasser.
2. Ihr braucht mich auch gar nicht. Ihr sucht die falschen Leute mit den falschen Qualitäten.

Mangelware 2013: Webanalysten und Kommunikations-Controller

Den selben Run auf eine bestimmte Marketer-Schicht habe ich vor etwa vier Jahren im Bereich Mobile Marketing erlebt. Ich war damals Projektmanager in einer Mobile Marketing-Agentur und bekam zu Hochzeiten bis zu drei Anrufe im Monat mit dem Angebot, mich auf die tollsten Stellen zu bewerben. Mittlerweile hat sich aber rumgesprochen, dass Konzepter, Kundenberater und Projektmanager nicht zwingend “mobile” denken müssen, sondern “digital”. Und gleiches gilt – so meine Prognose – auch für Social Media Manager. In zwei Jahren gibt in Agenturen keine Social Media-Experten mehr. Stattdessen werden alle Kreativen, alle Dialogmanager und alle Kundenbetreuer zwingend Social Media-Kenntnisse mitbringen müssen. Entsprechend wird auch die Suche nach neuen Mitarbeitern bei XING nicht über das Schlagwort “Social Media” erfolgen, sondern über die klassischen Begriffe “Konzeption”, “Dialog”, etc.!

Was aber spätestens 2013 zur absoluten Mangelware auf dem Personalmarkt wird, sind Online-Kommunikations-Controller. Da bin ich felsenfest von überzeugt. Die Datenmengen, die ein Unternehmen zukünftig auswerten muss, sind nicht mehr mit Excel-Tabellen zu beherrschen und das Know-how – anders als bei Facebook – nicht in einem 14-tägigen Schnellkurs zu erlernen.

Webanalyse mit Webtrekk

Webanalyse mit Webtrekk

 

Der Umgang mit Tools wie Webtrekk Q3 oder das kontinuierliche Kampagnencontrolling, wird derzeit – so jedenfalls mein Kenntnisstand – an keiner Uni gelehrt. Dabei braucht es sehr viel Handwerkszeug und Erfahrung (die ich zum Beispiel nicht mitbringe) und darum kann ich allen Personalern nur empfehlen, sich möglichst jetzt um diese Zielgruppe zu bemühen und entsprechende Weiterbildungsangebote zu scannen und weiterzuentwickeln und gleichzeitig die eigenen Mitarbeiter für den Umgang mit Social Media zu schulen. Ein guter Service-Mitarbeiter ist ein guter Service-Mitarbeiter. Egal ob am Telefon oder auf Facebook. Wenn man ihm zeigt wie. Webanalyse dagegen verlangt mehr!

Ich selbst trage zwar “Social Media” in meinem Titel, ich verstehe mich aber weniger als Social Media-Experte denn als als “klassischer” Konzepter, der das Internet liebt. Fakt ist aber: Je länger ich diesen Job mache, desto komplexer wird das Kommunikations-Controlling. Das betrifft die PR, Word-of-Mouth und Marketing-Kampagnen gleichermaßen. Für eine PR-Agentur haben wie zwar sehr früh begonnen, uns mit Webanalyse und Online-Monitoring auseinanderzusetzen, aber auch für uns wird die Customer Rezipienten Journey immer wichtiger. Wo wurde welches Schaubild eingebettet? Manche Blogs und Magazine haben mehr Leser, andere sind beim Seeding von Multimedia-Inhalten unverzichtbar.

Fazit:

Webanalyse wird eine Buzz-Branche und es gibt weniger Kommunikations-Controller als Social Media Manager. Also Augen auf im Personenalverkehr!

 


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Über den Autor

Sebastian ist Creative Director und kommt ursprünglich aus der Musikbranche, wo er sich sehr früh der Arbeit mit social networks gewidmet hat. Bevor er zu den Frischen Fischen stieß, hat der studierte Betriebswirt fünf Jahre für die Mobile Marketing Agentur Goyya Kampagnen konzipiert und betreut.


3 Kommentare



  • Jan

    da stimme ich Dir zu!
    Der Blick über den Tellerrand und nicht vorhandene Scheuklappen sind das A und O eines Konzepters.

    Und wenn Du das auf den Begriff “Social Media Manager” beziehst – auch da bin ich mit bei 🙂

  • Ja und Nein.. Es wird die Personen geben, die “über das Controlling, den Dialog und die Konzeption eine vernünftige Umsetzung für den Kunden erarbeiten”. Aber die heißen in meinen Augen nicht zwingend “Social Media Manager”, da sie auch Banner-Maßnahmen, Kooperationen, PR-Maßnahmen, Adwords etc. zu betreuen haben.

    Mein (zugegeben sehr platter) Leitspruch:

    Don´t call it Social Media, call it Internet!

    Das Internet ist seit jeher Social (“Direkt-Dialogisch”). E-Mail, Communities, Foren, Ebay, Chats, Kommentare. Und all das muss ein guter Konzepter beherrschen!


  • Jan

    Guter Gedanke Sebastian! Auch wenn ich nicht ganz so felsenfest wie Du davon überzeugt bin, dass es ausreichend für ein Unternehmen ist, dass seine Kundenbetreuer Social Media Erfahrung besitzen. Die hat ja auch heutzutage schon fast jeder, der sich ein bisschen mit Facebook, Twitter und Google+ beschäftigt. Ich glaube (und das natürlich vollkommen uneigennützig), dass es weiterhin Social Media Experten geben wird, deren Aufgabe es sein wird, über das Controlling, den Dialog und die Konzeption eine vernünftige Umsetzung für den Kunden hinzubekommen. Denn die Kundenbetreuer oder Kreativen können sich dem allenfalls nur nebenbei widmen und wie Du schon geschrieben hast, nimmt die Komplexität extrem zu. Da brauch man Leute wie uns, die sich permanent damit beschäftigen und auch die Zusammenhänge zwischen den ganzen Teilgebieten kennen und beherrschen.

    Was die Stellenbeschreibung als solche angeht – jup, Social Media ist mittlerweile echt nicht mehr ausreichend für eine Kompetenzbeschreibung. Genauso wie Consultant – ohne Zusatz oder Erklärung zu dünn in der Aussagekraft.

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