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Social Media professionalisiert sich zu Tode


Du twitterst täglich? Super! Auf Facebook gibt’s jeden Werktag einen hübschen Beitrag von Dir? Toll! Du hast sogar einen Blog, den Du wöchentlich befüllst? Wahnsinn! Ab und zu stellst Du sogar Sachen bei Google+, Pinterest und Xing ein? Das Sahnehäubchen! Trotzdem teilt, kommentiert, retweetet oder liked fast niemand? Mist, aber Du hast schließlich alles getan und Dein Content ist wirklich gut. Es geht im Social Web aber nicht mehr um guten Content, die Zeit ist vorbei. Gut ist der kleine Bruder von Papierkorb.

Du bist professionell geworden – die anderen aber auch. Es gibt mittlerweile eine Heerschar von guten Social Media Managern in Unternehmen und Agenturen, die guten Content produzieren. Fehlerfreie Formalia, nette Themen, positives Wording, ansprechende Bilder und an mindestens 5 Tagen in der Woche bereit, um auf irgendwelche Reaktionen dankbar und vorbildlich zu antworten. Doch das ist Gottseidank mittlerweile Standard.

Das Pflichtprogramm interessiert niemanden mehr, weil es schlicht so viele Firmen und Einzelpersonen beherrschen. Um heutzutage noch wirklichen Erfolg im Social Web zu haben, muss neben der Pflicht die Kür her, das Herausstechende, was das Content-Angebot abhebt von all den Tausend vergleichbaren professionellen Versuchen.

Aufmerksamkeit ist endlich

Redaktionspläne sind super für die kontinuierliche Bespielung der Kanäle, da vergisst man dann weder den Valentinstag, noch Ostern oder den Ferienbeginn in NRW. Aber zur Fangewinnung oder Steigerung des Engagements tragen sie nichts, rein gar nichts bei. Wer will denn täglich einen Post von einem Unternehmen lesen? Das erwartet niemand, es gibt überhaupt keinen Grund für eine hohe Frequenz an Nettigkeiten, zumal wirklich Aufregendes nur einen Klick entfernt liegt. Die Aufmerksamkeit der Menschen ist limitiert; limitierter als die vertraglich vereinbarte Mitteilungsfreude der Social-Media-Schreiber.

Und die guten Posts rauben Zeit für die Erstellung wirklich einzigartigen Contents. Für den einen grandiosen Clip, der mehr YouTube-Abonnenten bringt als die 20 guten. Für das eine überraschende Gewinnspiel, das wirkliche Fans schafft anstatt monatlich ein iPad zu verlosen. Für das eine selbstgeschossene Foto, das stärker hängen bleibt als die 50 Stock-Fotos vorher. Für den einen Tweet, dessen Lebenszeit viel länger als die üblichen 10 Minuten dauert. Besser weniger, aber besser!

Und wie verkaufst Du diese Qualitätsorientierung Deinem Auftraggeber oder dem vorgesetzten Marketing Manager, der ständige Geschäftigkeit und schnellen Output sehen will? Du brauchst nicht mehr Budget, aber ein halbes Jahr Zeit. Und Du musst mehr Kreativer als User-Verwalter sein. Wenn das nicht drin ist, dann langweilt sich die Welt über weiteren guten, aber verschenkten Content. Und Spaß bringt’s auch nicht.

marienkäfer

Guter Käfer

maikäfer

Besserer Käfer



Über den Autor

Eigentlich ist Jan Philosoph, aber er kommt so selten dazu. Denn es gibt so viele spannende Menschen und andere Dinge, die allermeist mit Technologie zu tun haben. Beim Texten, Beraten und Konzipieren zu Tech-Themen treffen sich die beiden Neigungen dann wieder.


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